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CORONAVIRUS: AUSWIRKUNGEN AUF DIE FINANZMÄRKTE

Update (24.3.2020):  Regierungen und Zentralbanken auf der ganzen Welt ergreifen drastische Massnahmen, um die rasante Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen und den wirtschaftlichen Schaden zu minimieren. So hat der Bundesrat an seiner letzten Sitzung unter anderem ein zusätzliches Hilfspaket in der Höhe von 32 Mrd. Franken beschlossen. Auch die SNB hält an Ihrer expansiven Geldpolitik fest und prüft weitere Schritte. Dieses Sicherheitsnetz reduziert die Ungewissheit für die Schweizer Wirtschaft zumindest ein bisschen. Die EZB hat ein Notfallprogramm in Höhe von 750 Mrd. Euro gestartet und die amerikanische Notenbank FED kündigte am Montag unbegrenzte Anleihenkäufe an. Alle diese Massnahmen sorgen für vorsichtigen Optimismus. Die Ungewissheit der zeitlichen Dauer der Krise bleibt jedoch vorhanden. Solange die Neuinfektionen in der westlichen Welt nicht rückläufig sind, werden die Finanzmärkte weiterhin auf unruhiger See segeln.

Folgende Fakten sind derzeit bekannt:

  • Die Neuansteckungen in China, Südkorea und Singapur nehmen ab oder entwickeln sich zumindest stabil. Im Rest der Welt steigt die Anzahl der Ansteckungen jedoch stark an. Insbesondere hat die Krise nun auch die USA erreicht. Die meisten Prognosemodelle rechnen für Europa – abhängig von den getroffenen Massnahmen – mit einem Erreichen des Maximums zwischen April und Juni. In Ländern mit einer guten Gesundheitsversorgung ist die Mortalitätsrate in allen Altersgruppen tiefer als in Ländern mit schlecht ausgebauter Versorgung.

Eine genaue Prognose für den weiteren Verlauf der Coronakrise – und insbesondere deren Auswirkung auf die Realwirtschaft und damit die Anlagemärkte – ist nach wie vor nicht möglich. So können beispielsweise die Entwicklung eines Impfstoffs oder die Mutation des Virus zu einer raschen Verbesserung oder zu einer raschen Verschärfung der Lage führen. Wir gehen derzeit von folgendem Szenario aus:

  • Die Entwicklung in Europa und in den USA verläuft vergleichbar zu jener in China. Dies bedeutet, dass dank einschränkender Massnahmen die Neuansteckungsrate verringert werden kann. Für die Schweiz rechnet das Bundesamt für Gesundheit (BAG) zurzeit damit, dass ab Ende Mai die Zahl der Infizierungen zurückgehen wird.
  • Bei einer solchen Entwicklung sollten Massenentlassungen und verbreitete Konkurse vermieden werden können. Noch halten die meisten Unternehmen ihre Investitionspläne offen und verschieben sie lediglich. Eine spürbare Erholung in 2021 ist derzeit gemäss Ökonomen das wahrscheinlichste Szenario. 
  • Der tiefere Ölpreis, ausgelöst durch den Marktpoker zwischen Saudi-Arabien und Russland, sollte sich mittelfristig ebenfalls als Stütze der Wirtschaft manifestieren. Ein tieferer Ölpreis bedeutet geringere Produktionskosten für die Unternehmen und eine gewisse finanzielle Entlastung der privaten Haushalte.

Was bedeutet dies für die Anlegerin respektive den Anleger?

  • Die wichtigsten Grundregeln «Diversifikation» und «langfristiger Anlagehorizont» gelten unverändert. So legen beispielsweise Anlagen in Staatsanleihen trotz tiefer Renditen in Krisenzeiten an Wert zu. Ein langer Anlagehorizont hilft kurzfristige Schocks zu absorbieren und einen Verkauf zu Unzeiten zu vermeiden. 
  • Die genauen Risiken lassen sich momentan nicht abschätzen. Die Vergangenheit hat aber gezeigt, dass sich die Börse bei ereignisgetriebenen Korrekturen zeitnah wieder erholt. Im Schnitt dauerte es 15 Monate bis die Märkte wieder ihre vorherigen Levels erreicht haben.
  • Die Volatilität wird an den Anlagemärkten in den nächsten Tagen und Wochen hoch bleiben. Diversifizierte Portfolios wurden in der vergangenen Woche deutlich weniger durchgerüttelt, als unzureichend diversifizierte. Dies widerspiegelt sich auch in der Performance. Ein Portfolio mit einer ausgewogenen Strategie hat seit Anfang des Jahres rund 13.7 Prozent an Wert verloren, während ein reines Schweizer Aktienportfolio rund 23.1 Prozent verloren hat.